Diese Route wurde von Thomas Behm erschlossen und benannt – Thomas Behm ist bekannt für die Vergabe von Routennamen mit rechtsextremen Anspielungen.
Sport ist wie jeder Teilaspekt menschlicher Kultur kein politik- oder ideologieloser Raum, das gilt ebenso für den Klettersport: Sobald Menschen in irgendeiner Form aktiv werden, allein oder in Gruppen, wird ihr Handeln von ihren bewussten und unbewussten (Vor-)urteilen beeinflusst. Dies wird im Bereich des Bergsports in der Praxis der Routenbenennung und Vorschlag des Schwierigkeitsgrads durch die Erstbegeher:innen speziell relevant. Bei der Benennung werden manchmal wissentlich oder unwissentlich diskriminierende oder historisch belastete Namen gegeben (ein „harmloseres“ Beispiel wäre etwa „Futlochwand“). Durch die Verbreitung dieser Namen gewinnen Ideen, Worte und Gedanken, die darin zum Ausdruck kommen – oft rassistisch, sexistisch und diskriminierend – dadurch an Sichtbarkeit, Wirkkraft und Verbreitung. Da die Schwierigkeitsgrade jederzeit offen zur Diskussion stehen, sollte es auch möglich sein, Namen offen und kritisch zu diskutieren und bei Bedarf zu ändern. Aufgrund des Spektrums an grenzwertig bis diskriminierenden Namen können die Erstbegeher:innen notfalls erklären, dass es nicht so gemeint war oder als Scherz verstanden werden soll – es bleibt oft bei (trotzdem sehr klaren) Anspielungen.
In Österreich hat sich speziell eine Person hier – im negativen Sinne – einen Namen gemacht: Thomas Behm. Dieser war in den letzten Jahrzehnten in Ostösterreich höchstproduktiv in der Erschließung von über 1000 neuen Routen und hat ihnen u.a. Namen wie „Festung Europa“, „Swastikaar“ oder „Riefenstahl“ gegeben, die dann auch in Kletterführern verewigt wurden. Eine Reihe dieser Kletterführer von Thomas Behm und Robert Gruber nennt sich „Keltenkalk“, mittlerweile in 4. Auflage erhältlich. Außerdem tummelt sich Behm am rechten Rand, sowohl durch Verlinkungen zu und Interviews mit Medien der Identitären Bewegung und durch pressewirksame Erstbegehungen gemeinsam mit Herbert Kickl.
Durch Routennamen erhalten Ideen, Worte und Konzepte Sichtbarkeit. Diese zu kontextualisieren, zu diskutieren, und gegebenenfalls umzubenennen hilft, sich der Normalisierung von diskriminierenden Routennamen entgegenzustellen – gegen Rassismus, Sexismus und Antisemitismus am Berg. Und für ein solidarisches, antifaschistisches Miteinander.
Quellen:
https://www.derstandard.at/story/2000130565296/klettern-am-rechten-randkletterroutennamen-mit-ns-und-rassismusbezug-sorgen-in
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-10/thomas-behm-rechtsextremismus-klettern-kletterrouten-keltenkalk-namen-justiz
https://www.derstandard.at/story/2000129183956/wirtschaftsfluechtling-und-greta-dummberg-namensgebung-von-klettertouren-sorgt-fuer-protest
https://taz.de/Problematische-Namen-von-Kletterrouten/!5798335/
Artikel „Braun am Berg“, Alpendistel. Online aufrufbar: https://alpinepeacecrossing.org/4-2023-verblasste-spuren-fluchtraum-gebirge/
